Hessentour 2019 Thema Familienpolitik mit Mariana Harder-Kühnel

Hessentour 2019 Thema Familienpolitik mit Mariana Harder-Kühnel

HESSENTOUR 2019

Mariana Harder-Kühnel, AfD-Bundestagsabgeordnete aus dem osthessischen Main-Kinzig-Kreis, wird im Rahmen ihres Vortrages „Familienpolitik“ über die politische Arbeit und aktuellen Themen des Arbeitskreises „Familie“ der AfD-Bundestagsfraktion berichten.

Hierbei werden den Zuhörern zunächst die Struktur und Arbeitsweise des Arbeitskreises selbst näher erläutert. Anschließend wird die in Gelnhausen wohnhafte Juristin auf die wesentlichen gesellschaftsrelevanten familienpolitischen Fehlentwicklungen in der Bundesrepublik Deutschland eingehen – wie etwa auf das sog. „Gender Mainstreaming“, die Frühsexualisierung, den aktuellen Demographiewandel, den abnehmenden staatlichen Schutz der traditionellen Ehe, Familie und Rechte von Kindern, sowie die Liberalisierung des Strafrechts im Bereich von Abtreibungen, aber auch auf Bundesprogramme wie „Demokratie leben!“ etc.

In diesem Zusammenhang wird die verheiratete Mutter von drei Kindern neben der Skizzierung der diesbezüglichen Problemfelder auch alle entsprechenden Lösungsvorschläge des Arbeitskreises „Familie“ vorstellen.

Pressemitteilung Angriff Wiesbaden

Pressemitteilung Angriff Wiesbaden

+++ Pressemitteilung+++
AfD Hessen verurteilt Angriff der Antifa auf Teilnehmer eines Stammtisches der Jungen Alternative

Wiesbaden (25. Juli 2019). AfD-Landessprecher Robert Lambrou verurteilt den Angriff der Antifa „Leftwing Rheingau“ auf zehn Teilnehmer eines Stammtisches der Jungen Alternative Hessen gestern Abend in einem Wiesbadener Restaurant scharf.

„Besonders perfide finde ich, dass die Antifa nach hartnäckigen und vergeblichen verbalen Provokationen, die Stammtischteilnehmer am Ende mit einer unbekannten Substanz bespritzte“, sagt Lambrou. „Daraufhin lagen die Nerven bei Stammtischteilnehmern blank, weil sie Grund zur Annahme hatten, dass es sich um eine ätzende Flüssigkeit handelte.“

Zuvor hatte bereits ein Mitglied der Jungen Alternative die Polizei angerufen, um die Situation zu deeskalieren. Lambrou ist der Meinung: „Es spricht für sich, dass die Teilnehmer des Stammtisches, zwei von ihnen leicht verletzt, im Restaurant auf das Eintreffen der Ordnungskräfte warteten, während die zehn bis zwölf Angreifer der Antifa vor der Polizei flüchteten.“

Die Antifa „Leftwing Rheingau“ schreibt heute in ihrem Bekennerschreiben auf Facebook: „Die AfD, die JA und alle anderen Nazis werden sich in Wiesbaden und anderswo nie ungestört versammeln können.“ Lambrou ist der Meinung: „Damit belegt die Antifa einmal mehr ihr zutiefst antidemokratisches Verständnis. Die Antifa will im Grunde genommen eine Meinungsdiktatur in Deutschland.“

Bericht Islamkonferenz

Bericht Islamkonferenz

Von der Konferenz „Säkularer Islam und Islamkritik“

Text und Fotos: Klaus-D. Lork

 

Im Juni habe ich an der Konferenz „Säkularer Islam und Islamkritik“, die im sogenannten Exzellenzcluster „Normative Ordnungen“  der Universität Frankfurt stattfand, teilgenommen. Der Raum war mit ca. 200 Besuchern voll. Es referierten Prof. Dr. Susanne Schröter, Prof. Mouhanad Khorchide sowie Hamed Abdel-Samad. Alle drei Referenten sind namhafte Kenner des Islams, aber ungeachtet dessen in der islamischen Welt sehr umstritten und man trachtet ihnen sogar nach dem Leben. Darauf werde ich in den folgenden Berichten noch näher eingehen. Ich gebe nachfolgend Zusammenfassungen von den Vorträgen wieder, aber auch wenn diese etwas länger ausfallen werden, verspreche ich, dass diese sehr lesenswert sind.

Weiterhin trat Dr. Michael Meister, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung auf. Das war wenig überraschend, denn der Exzellenzcluster wird direkt von diesem Ministerium gefördert. Eine kurze Rede hielt auch die Direktorin des Exzellenzcluster, Frau Rebecca Schmidt. Es sollte noch mit Rabeya Müller, eine der wenigen weiblichen Imane auftreten, sie musste aber kurzfristig absagen.

Frau Prof. Schröter eröffnete als Gastgeberin die Veranstaltung mit einer Vorstellung ihrer Person und ihres Institutes. Denn schließlich leitet sie das Forschungszentrum FFGI (Frankfurter Forschungszentrum Globaler Islam), das Teil des Exzellenzclusters ist

Prof. Schröter hob hervor, dass sie das Institut bereits seit 2008 leitet. Ihr Schwerpunkt sei das muslimisch geprägte Asien. Sie habe die letzten Jahre beobachtet, wie sich der zuvor „tolerante und liebenswerte“ Islam quasi im Zeitraffer durch den Einfluss der reichen Wahhabiten ins Gegenteil entwickelt habe. Jetzt werde jede Freiheit durch Blasphemiegesetze  erstickt. Als Beispiel nannte sie den Bürgermeister von Jakarta. Der habe nicht nur sein Amt auf Betreiben der Islamisten verloren, er kam auch für zwei Jahre ins Gefängnis. Sein Verbrechen war, dass er Christ ist und Christen niemals Moslems führen dürfen. Soweit ein kleiner Vorgriff auf ihre Hauptrede.

Frau Schröter sagte, dass sie sich freue, in einem multikulturellen und multireligiösen Team in diesem Exzellenzcluster zu arbeiten. Sie betonte, dass sie Ethnologin und keine Theologin sei. Sie interessiere nur, was Religionen aus Gesellschaften machen. „Wir sind das einzige Forschungszentrum, wo der Begriff ‚politischer Islam‘ überhaupt verwendet wir“ sagte sie nicht ohne Stolz. Bei ihr können sich Aktivisten jeder Richtung zu Wort melden. Und sie freue sich auf den Auftritt von Hamed Abdel-Samad, der für einen toleranten und humanistischen Islam stünde.

Nach dem Kurzvortrag von Frau Schröter trat Staatssekretär Dr. Meister ans Mikrophon. Hier ein Auszug aus seiner Rede:

Michael Meister

Michael Meister

Dr. Michael Meister beklagte, dass wer sich mit dem Islam beschäftigt, häufig attackiert würde. Die Angriffe gegen Frau Schröter in den sozialen Netzwerken verurteile er zutiefst. Er selbst habe dafür gesorgt habe, dass der umstrittene Kopftuchkongress stattfinden durfte. Auf diesem seien dann alle Meinungen zum Tragen gekommen.

„Wir können es nicht zulassen, dass Druck auf die Wissenschaft ausgeübt wird. Das widerspricht total der Meinungsfreiheit“, sagte er und ergänzte, dass die Freiheit der Wissenschaft nicht verhandelbar sei. „Wer die Wissenschaft beschneidet, der beschneidet die Grundfreiheiten der Gesellschaft“ betonte er und ergänzte, dass der radikale Islam die Grundfreiheiten unserer Gesellschaft herausfordern würde. Dann sagte er, es gelte herauszufinden, was die Ursachen für die Radikalität seien und dass wir denen entgegenwirken müssen.  Er versprach: „Wir halten an unseren Förderungen fest, trotz schwieriger Zusammenarbeit der Unis mit den islamischen Verbänden“.

 

Nach Dr. Meister sprach Rebecca Schmidt, die Geschäftsführerin des Exzellenzclusters, auf die ich nur ganz kurz eingehen möchte. Sie stellte nochmals das Institut vor und lobte die  vorbildliche  Toleranz, die dort  gepflegt würde. Und sie freue sich, dass sie Frau Schröter in ihren Reihen habe. Selbstverständlich habe sich das Institut voll hinter Frau Schröter gestellt, als es  Angriffe von linker und islamischer Seite gegen sie gab (s. Hashtag #schröterraus). Dadurch liefen die Angriffe ins Leere.

Somit kommen wir zu den drei Hauptvorträgen der Veranstaltung. Von allen Vorträgen gebe ich nachfolgend längere  Zusammenfassungen wieder. Dabei lasse ich die Aussagen neutral ohne Wertung für sich stehen.  Los ging‘s mit Susanne Schröter:

Susanne Schröter begann ihren Vortrag mit der Frage „Was ist der politische Islam?“ und gab die Antwort direkt:

Susanne Schröter

Susanne Schröter

Der politische Islam, auch Islamismus genannt sei eine „Werte-diktatur“. „Es ist eine Gruppe, die ihre eigene Meinung als einzig gültige betrachtet“.

Dann kam sie aber erst mal auf den Islam selbst zu sprechen und führte an, dass der Islam sehr heterogen sei und es viele ethnische Besonderheiten gebe. Ja, es gebe das Ideal einer islamischen Weltgemeinschaft (Ummah), aber faktisch diversifiziert sich der Islam in mehrere Richtungen, die sich gegenseitig nicht anerkennen. Weiterhin seien viele Bräuche aus anderen Religionen übernommen, wie z.B. die Anbetung der Meeresgöttin oder die Verehrung der Transgendergruppe, der sogenannten Hijras in Pakistan. Sie zitierte Basam Tipi, der gesagt habe, dass wir einen europäischen Islam bräuchten. Ja, genau das sei das Normale im Islam, zu dem auch die Pluralität gehöre.

Auch im Islam habe im 19. Jahrhundert eine zaghafte Säkularisierung begonnen, die einherging mit wissenschaftlicher Bildung. Es gebe ein Spannungsfeld zwischen religiösen und säkularen Eliten. Zu den Modernisierern zähle sie auch Kemal Atatürk, auch wenn dieser keineswegs ein Demokrat war.

Dann stellte sie dem Islam die christlichen Fundamentalisten gegenüber und zeigte ein Foto einer Christin, die mit Bibel und einem Maschinengewehr posiert. Sie zeigte auf, dass es die Ablehnung einer weltlichen Ordnung in allen Weltreligionen gebe.

Jetzt kam Frau Schröter auf die unangenehmen Entwicklungen im Islam zu sprechen. Der Islam sei widersprüchlich, es gebe die älteren Suren, die deutlich moderater seien. Und es gebe die späteren Suren, in denen Mohammed als Kriegsherr spricht. Als Beispiel dafür präsentierte sie diesen Koranvers:

Vers 9 Sure 5

Vers 9 Sure 5

Es gebe drei Zentren im Islam, fuhr sie fort: Den Wahhabismus, der dank der Petrodollars aus Saudi-Arabien in die ganze Welt exportiert werde, die Schiiten, die Ayatollah Chomeini stark gemacht habe und die Muslimbruderschaft. Auf letztere  ging Frau Schröter dann ausführlich ein.

Die Muslimbruderschaft sei im Jahre 1928 von Hassan al-Banna in Ägypten gegründet worden, berichtete Schröter. Der Gründer habe die Befürchtung gehabt, dass durch zu viel Freiheit der Islam überflüssig werden könnte. Die Organisation habe von Anfang an mit Gewalt und Anschlägen gearbeitet. Als sie 2013 in Ägypten verboten wurde, ging sie ins Exil – auch nach Deutschland.

Schröter kam dann darauf zu sprechen, dass die Muslimbruderschaft in den 40er Jahren mit Hitler zusammengearbeitet habe und verwies auf Amin el-Husseini, den Mufti von Jerusalem. Auch habe  es muslimische SS-Einheiten gegeben, sagte sie und betonte, dass die  Zusammenarbeit aber  wenig überraschend sei, denn schließlich einte beide der Hass auf Juden.

Dann thematisierte Schröter den Ägypter Mohammed Mursi. Der habe, kaum im Amt, die Verfasung geändert und die Gleichheit von Frauen und Männern abgeschafft. Schließlich sei er nach einem Militärputsch im Jahre 2013 abgesetzt worden.

Schröter wies dann auf die Schwierigkeiten, überhaupt Islamisten  zu benennen hin. Sobald man in Europa jemanden bezichtigt, Muslimbruder zu sein, drohen Klagen. Sie nannte das „juristischen Dschihad“. Deswegen achte sie streng darauf, nur Berichte des Verfassungsschutzes zu zitieren. Nennen durfte sie natürlich Yusuf al-Qaradawi: Der habe Hitler als die gerechte Strafe Gottes für die Juden bezeichnet, halte die Todesstrafe für außerehelichen Geschlechtsverkehr für angemessen. In einem Gespräch habe er mal bedauert, dass sie  in Europa leider noch nicht alle islamischen Regeln sofort umsetzen können, und dass man mit dem Händeabhacken  besser noch warten sollte, berichtete Schröter. Al-Qaradawi gelte auch in Deutschland für viele, gerade junge, radikale Muslime als Leitfigur.

Nach den arabischen Islamisten kam Schröter dann auf die türkischen Extremisten zu sprechen. Sie verwies auf Organisationen, die in Deutschland die Politik Erdogans umsetzen sollen, wie die Ditib,  die Grauen Wölfe oder Milli Görüş. Zu letzteren gehöre auch Mehmet Erbakan. Der habe in Aachen studiert, was ihn aber nicht daran gehindert habe, sich zu radikalisieren. „Soviel zum Thema, dass Bildung die Radikalisierung verhindert“, merkte sie an.

Schröter berichtete, dass in Universitäten Gebetsräume gefordert und auch gewährt worden seien, mit dem Effekt, dass diese sofort von radikalen Gruppierungen eingenommen wurden. In einer Uni sei gar eine ganze Etage für „Ungläubige“ gesperrt worden. Das wurde dort aber immerhin schnell von der Universitätsleitung unterbunden.

Auch wenn derzeit der politische Islam erstarke, gebe es auch liberale islamische Strömungen, fuhr sie fort und nannte als Beispiel die liberale Moschee von Seyran Ateş in Berlin. Nur sei es traurig, dass diese nicht ohne Polizeischutz arbeiten könne. „Gleich nach der Gründung der Moschee bekam sie 100 Morddrohungen. Eine Freundin wurde sogar erschossen“, berichtete Schröter.

Danach kam Schröter auf die Schulen zu sprechen und sagte „Muslime seien gegen die Koedukation, also z.B. den gemeinsamen Sportunterricht“. Nur leider geben zu viele Schule in vorauseilendem Gehorsam diesen Forderungen nach, ergänzte sie. „Sie versuchen stets die Grenzen auszureizen“, sagte sie und fügte hinzu, dass diese Muslime, wenn man deren Forderungen nicht entgegenkomme, sofort von „antimuslimischen Rassismus“ sprechen und gar behaupten, dass es dann zwangsläufig dazu käme, dass sich die Schüler radikalisieren würden. Damit könne man die deutschen Gesprächspartner leicht einschüchtern. Besonders dann, wenn noch behauptet würde, dass das die Religion gebieten würde, dann zucke jeder zusammen, denn man ist ja schließlich tolerant.

Man müsse bei allen Diskussionen bedenken, dass die Islamisten nicht zwischen Politik und Religion trennen können, betonte Schröter, was Verhandlungen nahezu unmöglich mache. Es gebe in Städten mittlerweile Gebiete, wo nicht mehr über bestimmte Themen diskutiert werden könne, einfach deswegen,  weil man Angst habe. Das Mobbing nehme zu, dem man sich nicht entziehen könne.

Zum Abschluss sagte Schröter: „Islamismus ist Rechtsradikalismus im religiösen Gewandt. Wir dürfen uns da nicht wegducken!“

 

Als nächster Redner trat Prof. Khorchide ans Mikrofon, mit einem theologischen Vortrag. Der Soziologe  hat die Vision von einem modernen, aufgeklärten Islam.

 

Prof. Dr. Mouhanad Khorchide begann mit der Aussage, dass sich der Islam als universelle Religion sehe, die auch im

Prof. Dr. Mouhanad Khorchide

Prof. Dr. Mouhanad Khorchide

21. Jahrhundert noch Gültigkeit habe. Leider vermisse er eine innerislamische Diskussion. Man müsse sich jedoch friedlich streiten können, was aber nicht passiere.

Khorchide verwies auf Österreich, wo Schülerinnen bis 10 Jahren  das Tragen von Kopftüchern verboten ist. Dagegen gebe es eine teure von Moslems bezahlte Kampagne , sagte er und entgegnete: Er würde das Geld lieber für eine Kampagne ausgeben, mit der die klagenden Eltern davon überzeugt würden, dass der Islam kein Kopftuch brauche.

Dann kam Khorchide auf sein Herzensanliegen zu sprechen. Den „barmherzigen Islam“. „Was ist ein barmherzigen Islam?“ stellte er als Frage in den Raum und beantwortete diese direkt. „Man hört regelmäßig, es gebe nur den einen Islam. Nein, der Islam, so, wie wir ihn kennen, ist nicht vom Himmel gefallen, sondern über Jahrhunderte gewachsen. Der Islam ist das, was wir Moslems daraus machen. Ja, auch der ‚Islamische Staat‘ ist eine Lesart des Islams“, führte er aus, um dann auf die ursprüngliche Frage nach dem „barmherzigen Islam“ zurückzukommen. „Wichtig ist das Gottesbild. Ein barmherziger Gott braucht keine Menschen, die ihn anbeten, denn er ist bereits vollkommen. Wenn es überhaupt einen Gott gibt, dann kann es nur einen liebenden Gott geben“,  erklärte er und stellte dann die  Frage in den Raum, was daraus die Konsequenzen seien.

„Es geht um keinen Gott, der uns unterwerfen will, hier steht der Mensch im Mittelpunkt. Es geht um die Selbstbestimmung des Menschen in einer Liebesbeziehung zu Gott. In diesem Fall ist die Kommunikation zwischen Mensch und Gott sehr wichtig“, führte Khorchide aus. Dann gebe es auch keine göttlichen Gesetze für die Ewigkeit. Der Mensch werde als mündig wahrgenommen, dazu passe keine Unterwerfung, schloss er daraus.

„Was sind die Herausforderungen?“, fragte er. Schon im 12. Jahrhundert sei beklagt worden, dass das Spirituelle im Islam fehlen würde. Dadurch werde der Islam auf das Juristische reduziert. Viele Islamgelehrte nehmen den Koran wörtlich. Dazu käme, dass der Islam als exklusiv verstanden werde, demzufolge gelten alle anderen Religionen als minderwertig.

Khorchide prangte dann die patriarchalistischen Strukturen in den islamischen Communities an. Auch das Kopftuch falle hier drunter, es werde rein sexistisch argumentiert. Aus dem gleichen Grunde werden auch Frauen als Imane abgelehnt, führte er aus. Dabei war es in früheren islamischen Gesellschaften durchaus anders gewesen. Das Problem sei, dass viele Moslems ihre eigenen Traditionen nicht kennen.

Zuletzt kam Khorchide auf den politische Islam zu sprechen. Dieser biete einfache Lösungen, sei also ein reines Schwarz-Weiß-Denken. Die Verfechter dieser radikalen Lesart des Islams  nutzen aus, dass Jugendliche auf der Suche nach Orientierung sind. Und diese böten eben die Fundamentalisten. Es fehle die Bereitschaft, ein differenziertes Bild der Realität zu erlangen.

Der letzte Redner des Tages war dann Hamed Abdel-Samad. Obwohl selbst Moslem, nahm er kein Blatt vor den Mund. Er rechnete nicht nur mit den islamischen Strukturen, sondern auch mit der deutschen Politik und Gesellschaft ab. Die Konsequenzen aus soviel Offenheit sind für ihn persönlich leider schlimm, wie auch aus dem Vortrag hervorgeht:

Hamed Abdel-Samad begrüßte die Gäste mit den Worten „Für mich ist es das erste mal, dass ich in einer deutschen

Prof. Dr. Abdel-Samad

Prof. Dr. Abdel-Samad

Universität zum Thema Islam reden darf“. Er zitierte dann Adorno: „Eine Kritik ist in Deutschland erlaubt, aber sie wird sofort gereizt geahndet“ und brachte auch direkt Beispiele. So habe ihm ein Professor gesagt, wenn du in Deutschland Karriere machen willst, solltest du keine Islamkritik machen. Er kenne auch viele Kollegen, die sich daran halten.

Abdel-Samad lieferte auch eine Begründung für diese Verhalten: Islamkritik sei hierzulande verpönt, weil viel Geld aus islamischen Ländern nach Deutschland fließe. Die Wirtschafft wolle ihre Beziehungen zu diesen Ländern nicht gefährden. Aber auch die Politik wolle keine Islamkritik und Leute wie er gelten dort als Störenfriede.

Abdel-Samad erzählte, dass er regelmäßig zu hören  bekäme „Wenn du das sagst, dann werden dich die Rechten instrumentalisieren“. Einmal habe sogar jemand behauptet, er sei für den Anschlag auf die Moschee in Neuseeland verantwortlich.

Dann kam er auf die islamische Gesellschaft zu sprechen: „Die Opferhaltung hat Tradition in der islamischen Geschichte. Bereits vor 1.400 Jahren hieß es: Die Juden und Christen wollen euch fressen“. Auch damals habe  es schon Fundamentalisten gegeben, folgerte er. Das widerspreche der häufig gehörten Aussage, der Fundamentalismus sei nur eine Folge des Kolonialismus. Und man sagte bereits damals, dass der Mensch für den Islam da sei, und nicht der Islam für den Menschen.

Für ihn seien Religion und Religionskritik ein Paket, für die Politik aber eben nicht, fuhr er fort. Und was ist mit den vielen Opfern, den Frauen, die keine Stimme haben? Die sehen wir nicht, weil sie nicht in den Konferenzen mit Frau Merkel auftauchen, sagte er mit etwas lauterer Stimme. Aber das ist die Politik. An dieser Stelle gab es starken Zwischenapplaus.

Ist die Religionsfreiheit wichtiger, als die anderen Grundrechte? Was sind die Schranken der Meinungsfreiheit? fragte Abdel-Samad. Richtig sei, dass man niemanden diffamieren dürfe, aber wo bleiben die Schranken der Religionsfreiheit?  Man habe Angst, dass das rechte Lager wächst, aber auch vor Anfeindungen durch die Muslime. Aber schützen wir die Muslime vor Anfeindungen, wenn wir die Islamkritik verbieten? Dann dürfe man sich nicht wundern, wenn die AfD das Thema für sich entdeckt (—> Kasten am Ende des Berichts).

„Das Kopftuch zu tragen ist Freiheit, die Freiheit zu wählen, ob man in die Hölle oder ins Paradies kommt“, sagte Abdel-Samad dann sarkastisch. „Wenn zwei Systeme aufeinanderprallen, dann müsse man sich entscheiden: Will man Demokratie und Freiheit, oder will man Unfreiheit im Islam. Beides geht nicht!

Es gebe ex-Muslime, die sagen „Warum soll ich mich mit einem Text beschäftigen, der aus der Wüste kommt?“. Aber keiner fragt, ob der Koran überhaupt von Gott komme, sagte Abdel-Samad dann etwas provokant.

Abdel-Samad kam dann noch mal auf die Islamkritik zu sprechen: „Wenn jemand den Islam kritisiert, dann nennt man ihn ‚umstrittener Islamkritiker‘, aber keiner  spricht von einem ‚umstrittenen Zentralrat der Muslime‘. Wenn ein Universitätsprofessor nicht in der Lage ist, den Islam zu kritisieren, dann ist was faul in diesem Lande!“. „Vorher war Khorchide der Ketzer, jetzt bin ich es“, sagte er nicht ohne Ironie. „Warum sind Muslime unter Artenschutz? Jeder Mensch, der Muslime unter Kritik-Schutz stellt, betreibt Rassismus, weil er denen somit nicht zutraut, sich selbst zu verteidigen“, folgerte er. Wir leben in einer Gesellschaft, in der  die Säkularisierung nicht abgeschlossen sei, und die Kirchen betreiben pro-Islam-Politik, sagte er dann noch.

Zum Abschluss  kam Abdel-Samad nochmal kurz auf die AfD zu sprechen: „Vor 2015 lag diese Partei bei 3%, dann ist sie aber stark gewachsen. Das verdankte sie den Fehlern der Parteien der Mitte . Was sollen wir jetzt bei Migrations– und Integrationsproblemen  machen? Meine Antwort: Mehr Diskurs wagen!

Ich muss noch betonen, dass Abdel-Samad sechs Personenschützer dabei hatte. Besser kann man kaum zeigen, wie gefährlich es ist, den Islam zu kritisieren!

Während die anderen Vorträge vom Publikum eher emotionslos angenommen wurden, war es bei Abdel-Samads Vortrag manchmal sehr emotional und laut. Die meisten Zuhörer waren auf seiner Seite, es gab aber ein paar Leute, die ihn definitiv nicht mochten. Wobei letztere aber mehrheitlich nicht wie Moslems aussahen, sondern wie deutsche Linke.

Es gab nach dem Vortrag eine Fragerunde. Allerdings ging Abdel-Samad auch während seiner Rede auf einige Gäste ein. Sein Lieblingsgast war Volker Beck von den Grünen, gegen ihn baute er in seine Rede ein paar Nadelstiche ein:

So sagte Abdel-Samad mit Blick auf Volker Beck, Grüne:

Volker Beck, Grüne

Volker Beck, Grüne

„So wie es aussieht kommen Sie mit den Grünen bald an die Macht. Machen Sie dann nicht den gleichen Fehler, wie die SPD mit dem Islam. Dann kommt die AfD von jetzt 13 auf 35 %. Beck setzte einen wenig begeisterten Blick auf.

In der Fragerunde erwiderte ihm Abdel-Samad zum Thema „Kopftuch“: „Herr Beck, das Hauptproblem ist im Islam der Zwang“.

Kommen wir zum Schluss zur eigentlichen Fragerunde, ich zitiere daraus ein paar Aussagen:

Frage: Was halten Sie von der Leitkultur?

HAS: Alle Randgruppen hätten ihre Leitkultur, nur der Staat selbst dürfe nicht von einer Leitkultur sprechen, denn man habe in Deutschland Angst vor einer Wertedebatte. Allerdings: Diese Angst haben die Feinde der Demokratie nicht!

Frage: Warum führt man keine allgemeine Religionskunde in den Schulen ein?

HAS: Die Antwort ist einfach: Die Kirchen wollen ihre Macht nicht aufgeben.

Frage (von einem offensichtlichen Moslem): Sie haben doch alle Freiheiten und können auch auftreten und Bücher schreiben. Warum beklagen Sie sich?

HAS: Dazu verweist er auf seine 6 Leibwächter und fragt den Fragesteller zurück, ob er das Freiheit nenne. Dazu käme, dass seine Veranstaltungen oft abgesagt würden, weil Islamisten dagegen protestieren.

Nach den Vorträgen gab es noch eine Podiumsdiskussion mit dem Thema „Herausforderungen der deutschen Islampolitik“ mit jeweils einem Vertreter der CDU, der FDP, der Grünen (Volker Beck), der Linken sowie Prof. Schröter als Moderatorin. Ein Vertreter der AfD war nicht dabei, von der SPD aber auch nicht. Leider konnte ich wegen eines Folgetermins daran nicht teilnehmen.

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