Die Veranstaltungen der Anderen – Dritter Teil

AngieIn der Landeshauptstadt wird trotz aller ernst gemeinter Dialogangebote der AfD seit vielen Monaten gerne über die Partei geredet, aber möglichst nicht mit ihr. Deshalb geht die Partei seit Juni 2016 ganz einfach auf die Veranstaltungen der Anderen.

Am 21. September 2016 sprach der ehemalige MdB Dr. Johannes Gerster zum Thema „Europa und seine Nachbarn: Ursachen, Folgen und Lösungen der Flüchtlingskrise“. Robert Lambrou, AfD-Stadtverordneter war mit dabei. Sein Fazit: Es brodelt kräftig an der CDU-Basis.

Etwa dreißig Zuschauer waren in die Gaststätte Hinkelhaus in Wiesbaden-Auringen gekommen, um dem Vortrag von Herrn Gerster zu lauschen, der zusammen mit dem Wiesbadener CDU-Landtagsabgeordneten Horst Klee an einem Tisch saß.  

Die Diskussion nach dem sehr kurzweiligen Vortrag geriet schnell zu einer Grundsatzdiskussion um Angela Merkel und ihren Kurs in der Flüchtlingsfrage. Gleich fünf Zuschauer machten mehrfach ihrem Unmut über den aktuellen Parteikurs deutlich Luft. Einer ging sogar wutentbrannt, nachdem ihm Johannes Gerster ziemlich hart ins Wort gefallen war.

Die Linie von Klee und Gerster war, Merkel zu verteidigen. Es gäbe keinen besseren Politiker. Frau Merkel würde ihren Job, trotz gewisser berechtigter Kritik, weiter sehr gut machen. Die CDU-Basis an diesem Abend schien das teilweise deutlich anders zu sehen. Sobald sich ein Zuschauer traute, eine kritische Meinung zu sagen, wurde er von den beiden Spitzenfunktionären jedoch stets prompt eines besseren belehrt. Was die vielen schweigsamen Zuschauer dachten, konnte man an den Gesichtern oft klar ablesen.

Die erregte Diskussion und die deutlich belehrende Debattenkultur faszinierten AfD-Mitglied Lambrou so sehr, dass er sich erst gegen Ende der Diskussion kurz vorstellte und eine Frage bezüglich der enormen finanziellen Folgen der Flüchtlingskrise an Herrn Gerster stellte.

Nach einer weiteren kurzen Wortmeldung einige Minuten später, fing sich Lambrou dann statt einer sachlichen Antwort, eine wütende Tirade vom Landtagsabgeordneten Klee über die unwählbare AfD und ihr unmögliches Spitzenpersonal ein. Diese Reaktion passte ins Bild, denn Zuhören schien zumindest an diesem Abend nicht die Stärke der CDU-Spitzenfunktionäre zu sein.

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